Unterricht in F.M. Alexander-TechnikStudio für Alexander-TechnikZur WegbeschreibungZur Startseite

alexander-technik
bringt leben in die bewegung

Dialoge aus dem Gruppenunterricht
in F.M. Alexander-Technik

Beispiel 1: Helen steht in einer Galerie
Beispiel 2: Johannes sitzt bequem

Beispiel 1: Helen

Die Klientin ist Amerikanerin und arbeitet als Angestellte.

Sibylle: möchtest Du was machen, oder möchtest Du erst mal nichts tun?

Helen: Ähm, einfach stehen, (lacht)

Sibylle: o.k.

Helen: (lacht) Des mach ich nicht so gern für mehrere Minuten. Also, wenn ich muß stehen, dann (kichert) mach ich so, oder so (zeigt verschiedene Varianten)

Sibylle: mmh. Kommst Du hierher bitte? (zu mir)

Helen: Z.B. ich gehe zum Galerie und sind schöne Bilder an der Wand und ich kann nichts so stehen (lacht).

Sibylle: O.k. Und Du bist Dir sicher, daß Du jetzt stehen willst?

Helen: Ja

Sibylle: O.k., gut.

Helen: Ich will, ich hab entscheidet. (Lachen)

Sibylle: Was nimmst Du wahr, über Dein Stehen, im Moment?

Helen: Weiß es nicht.

Sibylle: Was nimmst Du wahr? What do you notice? About your…

Helen: Ich bemerke, daß ich bewege ein bißchen irgendwo. Also ich bin nicht still.

Sibylle: Ach, gut. Was ist Deine Aktivität? Willst Du stehen, oder willst Du still stehen?

Helen: Ah. Still stehen.

Sibylle: Du willst still stehen.

Helen: Ja.

Sibylle: Wenn Du still stehst und Du atmest, was passiert dann? - Bewegt sich was, wenn Du atmest, oder bewegt sich nichts?

Helen: Also, ich möchte nicht tief atmen, also ganz ruhig atmen.

Sibylle: mmh.

Helen: Und stehen, gucken.

Sibylle: Möchtest stehen und schauen als Aktivität.

Helen: Ja.

Sibylle: Dann schau doch mal den Matisse da drüben an (im Studio hängt eine Reproduktion).

Helen: In der Galerie (lacht)

Sibylle: (lacht)

Helen: Ich muß atmen

Sibylle: Du mußt atmen, eben, es geht nicht ohne Atmen. Ich verrate Dir ein Geheimnis: Wenn man atmet, verändert sich der Schwerpunkt eben. Du kannst nicht still stehen. Es gibt nicht Stillstehen im Sinne von… Du kannst sagen, ich will mich jetzt nicht besonders bewegen beim Stehen, aber Du kannst nicht verhindern, daß Dein Körper in einer gewissen Weise durch das Atmen einfach sich ein bißchen bewegt.

Helen: Mmh

Sibylle: (faßt Helen vorschnell an) O.K. Schon wieder meine Griffel an Dir. Sorry. Immer dasselbe (lacht). Was ist notwendig, um zu stehen und zu schauen?

Helen: Daß man (sucht ein Wort) ist, (benutzt ein unverständliches englisches Wort)

Sibylle: Gleichgewicht

Helen: Genau, ja. Und daß man ist zufrieden, wo man steht. Also, daß es bequem, daß es bequem bleibt.

Sibylle: mmh. Und wie ist es im Moment?

Helen: Es ist bequem (lacht). Ich weiß nicht warum, aber. Es ist bequem.

Sibylle: Ja

Helen: Aber vielleicht mit andere Schuhe

Sibylle: Dann kannst Du ja Deine Schuhe holen, wenn Du möchtest.

Helen: Ja, vielleicht, ja (holt Schuhe)

Sibylle: Also, Du bist in der Galerie und Du schaust Dir den Matisse an und stehst in Deinen Schuhen, und was nimmst Du wahr?

Helen: Also, ich bemerke es ist bequem. Vielleicht, weil ich hab entscheidet, daß ich möchte stehen (lacht) und nicht anders machen. Also, gibts kein andere Sachen, die stören. z.B. ich hab keine Tasche, keine

Sibylle: Willst Du mit ner Tasche stehen? Ist das das Deine schwarze Tasche? (gibt ihr die Umhängetasche)

Helen: O.K. (lacht hängt sich Tasche um) Ich steh mit meiner Tasche in der Galerie. Ja, mmh.

Sibylle: Laß Dir Zeit.

Helen: Es it o.k.

Sibylle: Es it o.k. aber es ist nicht ganz toll

Helen: Es ist nicht toll, weil

Sibylle: So, was kannst Du machen, oder welche Möglichkeiten hast Du, um also ganz prinzipiell, wenn Du in einer Galerie bist mit Deiner Tasche und Du stehst und Du willst Dir ein Bild angucken?

Helen: Mmh. Also, ich kann meine Tasche hier lassen (stellt sie hin)

Sibylle: Richtig. Absolut richtig. Das ist eine Möglichkeit.

Helen: lacht. Normalerweise macht man das nicht so.

Sibylle: Wieso macht man das nicht?

Helen: ich weiß nicht, gibts kein Platz, kommt noch jemanden. Ah, ich hab eine kleine Tasche und dann vergiß

Sibylle: mmh.

Helen: Oder Normalerweise steh ich mit meiner Tasche und dann arbeite mit meiner Tasche (lacht). Ich mache nicht nur stehen

Sibylle: Du machst nicht nur stehen, sondern?

Helen: Ich mache so dann (greift mit der Hand, an deren Arm die Tasche hängt, um die Gurte)

Sibylle: Ah, Du machst es so. Also, so stehst Du normalerweise, wenn Du diese Tasche umhast?

Helen: Also, nicht immer aber,

Sibylle: Ist eine beliebte Art.

Johannes: soll ich mal Dieb spielen, gleichzeitig?

Helen: lacht

Sibylle: Du willst diese Tasche festhalten können, oder?

Helen: Mmh.

Sibylle: O.k, weil mach‘s nochmal wie Du‘s gewohnt bist. Laß Dir noch ein bißchen Zeit.

Helen: Ich steh im Museum und guck.

Sibylle: Was nimmst Du wahr?

Helen: Es ist bequem

Sibylle: Und wie ist es in Deinem rechten Arm, rechte Schulter? Schulter, Arm. Wie ist es da? Bequem, unbequem?

Helen: äh, Ich weiß, es gibt hier etwas, aber trotzdem kann ich stehen im Moment.

Sibylle: Mmh.

Helen: später auf die linke Seite

Sibylle: Das ist auch ne Möglichkeit: einfach die Seite wechseln. ich nehm mal Deine Tasche. Kannst Du sie nochmal nehmen? Mmh. Kann es sein, daß Du hier ein bißchen Druck ausübst mit Deiner Hand auf die Tasche?

Helen: Ja, ich drücke, ja. mmh.

Sibylle: Und das passiert, was passiert dann mit Deiner Schulter?

Helen: Meine Schulter (sucht) kommt vor, ne?

Sibylle: Ja, Du ziehst sie nach vorne.

Helen: mmh

Sibylle: O.k. weißt Du, das, Du könntest, Du kannst sie halten. Du kannst Deine Tasche sozusagen sichern wenn Du willst.

Helen: mmh.

Sibylle: Aber, versuch einfach, mit ner größtmöglichen Leichtigkeit oder (sucht)…Du kannst sie ruhen lassen, von mir aus so, aber nicht runterdrücken. Dann machst Du das schon etwas leichter.

Helen: mmh

Sibylle: nicht auf der Tasche liegen lassen, weil das gibt natürlich immer noch, des Gewicht vom Arm ist ja dann auf der Tasche und drückt, ist ja auch ein Druck. Du kannst auch einfach ähm, sozusagen Deinen Arm manchmal ein bißchen schweben lassen.

Helen: mmh. Also ich fühle mich sehr elegant.

Frauke: Ich wollt grad sagen, des sieht total elegant aus (lacht)

Sibylle: Und, findest Du des schön, wenn Du elegant wirkst?

Helen: Ich finde mich sehr, mmh. wie eine Dame (lacht) in Galerie (lacht).

Sibylle: Ja. Wie ist das für Dich, Dich wie ne Dame in der Galerie zu fühlen?

Helen: Ach, ich bin... ja, ich fühle mich gut, ja.

Sibylle: Gut!

Helen: Aber ich, es ist ein bißchen wie ein Spiel (lacht)

Sibylle: Ein Spiel?

Helen: Ja, so, es ist nicht richtig mich

Sibylle: Nicht richtig?

Helen: Nicht mir.

Sibylle: Es paßt nicht zu Dir?

Helen: Ja, genau.

Sibylle: Ah (erstaunt), o.k. Wieso?

Helen: Normalerweise hängt die so (lacht)

Sibylle: Also ist es ein bißchen arrogant?

Helen: Mmh, zu fein?

Sibylle: Kannst Du Dich erinnern, was sie (deutet auf Frauke) gerade sagte? Oder, wie sie‘s gesagt hat?

Helen: Ich hab‘s (schüttelt den Kopf)

Sibylle: Kannst Du‘s nochmal sagen?

Frauke: Es war so elegant.

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Beispiel 2: Johannes

Der Klient ist selbständig tätig und etwa 40 Jahre alt.

Sibylle: Ja, Johannes, was möchtest Du machen?

Johannes: Ich möchte entspannt sitzen.

Sibylle: Entspannt sitzen

Johannes: Relaxen auf dem Stuhl, weil ich am häufigsten sitz.

Sibylle: Das ist jetzt eine Herausforderung für mich, weil das ist die typische Alexander- (weist auf Stuhl), das ist ne klassische Alexander-Aktivität und ich hab dann noch schneller meine Hände bei ihm.

Maren: Und ist des nicht gut, wenn Du Deine Hände so schnell…

Sibylle: Nee, weil, ich will ja wissen erstmal wo er steht. Wenn ich gleich schon seinen Zustand beeinflusse, auf dieser sensorischen Ebene, dann hab ich ja nicht des wo er ja wirklich steht. Deswegen muß ich da aufpassen. O.k., gut. Sitzt Du bequem? Ich setz mich auch hin.

Johannes: Für den ersten Augenblick, ja.

Sibylle: Für den ersten Augenblick ja, des heißt?

Johannes: Ähm, des ist jetzt fühl ich mich total verspannt.

Sibylle: Wenn Du eine Minute so sitzt, fühlst Du Dich total verspannt. o.k.

Johannes: Dann richt ich mich da hoch und dann knack ich so ein bißchen Gegenrichtung und

Sibylle: Mmh. Das heißt, Du sitzt jetzt zwar entspannt oder noch relaxed, oder wie sagst Du?

Johannes: lässig, bequem.

Sibylle: Aber weißt, im Grunde genommen, in einer Minute hört‘s auf lässig und bequem zu sein, sondern wird lässig und unbequem.

Johannes: Mmh.

Sibylle: O.k., gut. Ist es dann angenehm, so zu sitzen?

Johannes: Nee

Sibylle: Von Anfang an, nee

Johannes: Ja.

Sibylle: O.k. Was kannst Du tun?

Johannes: Erst mal einen Stuhl nehmen, der nicht so rutscht, der ein bißchen Widerstand gibt.

(holt einen Stuhl) Das ist schon mal besser.

Sibylle: Also, das ist eine Variante. Auf so einem Stuhl kannst Du nicht wirklich bequem lässig sitzen.

Johannes: Weil ich mich da anlehnen kann. Zum Anlehnen.

Sibylle: Genau, die rutscht vorne weg, dann hast Du mehr Anspannung in den Füßen als notwendig wäre und es ist eigentlich nichts gewonnen unterm Strich.

Johannes: mmh

Sibylle: Wirst Du das in einer Minute auch büßen müssen, oder ist des, wenn Du so einen Stuhl zur Verfügung hast, o.k.?

Johannes: Auf Dauer auch nicht. Weil ich immer oben, Schultern nach vorne, oben gekrümmt und Kopf im Nacken, jetzt überspitzt. (macht es vor)

Sibylle: Mmh.

Johannes: Ich richte mich dann auf ins Gegenextrem

Sibylle: Gut. Also, Alexander-Technik geht nicht über Geradesitzen. Wir sitzen zwar alle furchtbar gerade, aber man kann durchaus mit der Alexander-Technik auch so sitzen (macht es vor). Der Unterschied ist: Ich laß‘ meinen Hals frei. Dann ist es immer noch auf die Dauer hier ein gewisser Druck, aber ich lasse meinen Hals frei und meine Schultern bleiben oben. Es ist kein Kollabieren. Das wär kollabiert (macht es vor), was Du gerade auch bei Dir wahrgenommen hast, sondern ich kann auch einfach mich wieder hier mit der Lehne benutzen, meine Richtung denken, den Hals lösen, o.k. (beginnt mit Berührung) Und hier eine Offenheit. erstmal, genau, Du nimmst Dir den und erlaubst Dir, Deinen Hals wirklich zu lösen. Die Muskeln Deines Halses haben nichts zu tun und der Kopf kann in jede Richtung leicht sich bewegen und das gibt dem System oder Deinem Körper die Möglichkeit einfach hier, sich da zu längen. Du könntest hier Dir auch noch mal Freiheit gönnen, hier in dieser Ebene. So. Einfach nur denken. Nichts tun, sondern sozusagen so denken. Und hier, darf ich mal eben Dir das anzeigen, hier diese Diagonale denken. Das heißt, einfach nur den Gedanken wirken lassen. Auch nicht kontrollieren, ob‘s passiert, sondern nur denken, losschicken und darauf vertrauen, daß es passieren wird. Und immer wieder auch diese Möglichkeit hier oben einschließen und dabei kannst Du, genau, Du sitzt hier, aber es ist ja nicht nur sitzen, es ist ja auch Sehen, Hören, Atmen. Das ist alles drin in dieser Aktivität. Wie ist das jetzt?

Johannes: Also im Hals ist es angenehmer. Und zwischen den Schultern, denk ich noch ist‘s so wie‘s war.

Sibylle: Mmh.

Johannes: Und die Stimme ein bißchen belegt (räuspert sich)

Sibylle: Und hier vorne?

Johannes: Mmh. Ist offener.

(Alle lachen. Johannes bewegt leicht seinen Kopf hin und her, entweder um zu prüfen, ob er seine Halsmuskeln wirklich gelockert hat, oder um sie zu lockern)

Sibylle: Das ist die eine Variante. Die andere Variante ist die, die ich am Anfang hatte. Mein früherer Freund und heutiger Mann hat sich darüber beömmelt. Also, ich hab damals auch noch geraucht, lauter schlechte Angewohnheiten, und ich kam von der Alexander-Stunde und ich hatte ne Lehrerin, die hatte es sehr mit dem aufrechten Geradesein und ich war dann super aufrecht und gerade, kam von der Stunde heim, saß so an meinem Schreibtisch und hab den Uli gebeten: „Uli, kannst Du mir mal bitte den Aschenbecher da hinten geben?“ (macht es steif vor). Was ich damit sagen will ist. Das Doofe ist, diesen Zustand (freie Koordination) können wir nicht behalten durch (macht sich steif). Also, er hat sich kaputt gelacht, logisch, na. Aber wir können ihn auch nicht behalten dadurch (bewegt Kopf hin und her). Das ist die andere Variante, die hab ich auch probiert, da hat mein Ausbilder immer gesehen: „Aha, sie denkt Primärkontrolle“. Leider, die traurige Wahrheit ist: es ist Denken.

Johannes: Was kann ich jetzt davon mitnehmen?

Sibylle: Denken, denk es Dir einfach. Es ist natürlich auch ne Sache der Übung. Im Wesentlichen ist es das Vertrauen in die Technik. Am Anfang, notgedrungen, muß es das Vertrauen in den Lehrer sein. Mit der Zeit, wenn man die Technik dann beherrscht, weiß man daß es aber das Denken ist. Weil, ich hab des nicht getan. Du hast aufgehört mit, etwas zu tun. Und des kann ich ja nicht für Dich tun. Nur Du kannst es nicht tun. Ne? Schwerphilosophisch (lacht).

Johannes: Danke.

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